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Dialyse

Ist die Nierenfunktion vollständig erloschen, führt dieser Zustand unbehandelt zum Tod. Lebensrettend ist dann lediglich die Dialyse (künstliche Blutwäsche) oder die Nierentransplantation. Man unterscheidet die extrakorporale Dialyse, bei der das Blut durch das Blutwäschegerät geleitet wird - in der Regel dreimal wöchentlich für vier bis acht Stunden -, die Hämofiltration und die Peritonealdialyse, die über das Bauchfell kontinuierlich mit einem Katheter erfolgt, wodurch der Patient mobiler bleibt.

Allgemeines

Der Begriff Dialyse leitet sich vom griechischen "dialysis", was übersetzt Auflösung bedeutet, ab. Man versteht darunter eine künstliche Blutwäsche bzw. ein physikalisches Verfahren, das die Funktion der Nieren ersetzt. Sie wird notwendig, wenn die Nierenfunktion hochgradig eingeschränkt ist. Die Entscheidung basiert in erster Linie auf der Harnmenge, den Nierenwerten im Blut sowie den klinischen Symptomen. Dabei gibt es verschiedene Arten der Dialyse, die in der Folge beschrieben werden. Die Entscheidung, welche Art der Dialyse am geeignetsten ist, muss vom Arzt gemeinsam mit dem Patienten jeweils individuell getroffen werden.

Nierenersatztherapie - Dialyse

Falls eine konservative Therapie ( Medikamente ) nicht ausreicht oder die Nieren z.B. nach einer Operation oder Vergiftung versagen, muss die nicht mehr ausreichende Nierenfunktion mit der "künstlichen Niere" - der Dialyse - ersetzt werden. Zu diesem Zweck wird aus einer Vene, meistens am Arm oder am Oberschenkel, Blut entnommen, gereinigt und zurück gegeben. Dabei durchläuft das Blut eine Reihe von Schlauchsystemen und Pumpen bis zur halbdurchlässigen Membranen ( eigentliche "Niere" ), wird dort gereinigt und anschließend zurückgegeben. Auf einer Seite der Membran fließt also Vollblut, auf der anderen Seite - eine Bicarbonat- und Salzhaltige Flüssigkeit (Dialysat). Über die Membran gelangen die aus dem Blut zu entfernenden Substanzen ( s.g. " Nierengifte" ) in die Salzlösung, der anschließend verworfen wird. Aber auch manche Salze und Bicarbonat, die dem Körper fehlen, fließen durch die Membran aus den Dialysat ins Blut. Nach Passieren des Membransystems gelangt das gereinigte Blut in die gleiche Vene zurück, jedoch an einer Anderen Stelle - Venenflußaufwerts.

Vorteile der Methode:

  • der Patient ist während der Behandlung überwacht
  • das meiste Erfahrung vorhanden
  • zeitlich unlimitiert
  • der Patient wird i.d.R. 3 mal in der Woche vom Arzt gesehen
  • räumliche Gegebenheiten zuhause sind nicht relevant.
  • eignet sich für alle Patienten

Nachteile:

  • i.d.R. 3x Woche Behandlung in einem Dialysezentrum ( größerer Zeitverlust - ca. 15 Stunden pro Woche )
  • Shuntzugang und somit eine Operation nötig
  • Kreislaufprobleme bei größeren Gewichtsschwankungen zwischen den Dialysen
  • Punktion des Shunts ( schmerzhaft )

Shunt

Um der Vene die notwendige Blutmenge entnehmen zu können, wird bei Dialysepatienten in Lokalanästhesie i.d. Regel am Unter- oder Oberarm eine bleibende Verbindung zwischen der Arterie und der Vene hergestellt. Dadurch erreicht man einen höheres Blutfluss in der Vene, was zur Venenerweiterung führt.

Die zu filtrierende Substanz muss auf der "Blutseite" in einer höheren Konzentration vorhanden sein als auf der "Dialysatseite". Durch die Membran hindurch kommt es zu einem Konzentrations- und Druckausgleich der durchgängigen Substanzen zwischen beiden Membranseiten. Die vorgestellte Reinigung des Blutes mittels semipermeabler Membranen und dem Dialysat wird als extrakorporale Dialyse (außerhalb des Körpers) bezeichnet. Die Dialyse muss so lange erfolgen, wie der Funktionsverlust der eigenen Nieren dies erfordert. Das bedeutet in der Regel eine lebenslängliche Behandlung . Die moderne Dialysebehandlung ermöglicht allen Patienten einen guten Lebensqualität zu erreichen. Sehr viele Patienten bleiben auch wehrend der Dialysephase ihres Lebens voll berufstätig. Europäisches Netzwerk aus den Dialysezentren ermöglicht praktisch uneingeschränktes Reisen und Urlaub.

Peritonealdialyse

Bei dieser Methode dient das Bauchfell (Peritoneum) der betroffenen Person als semipermeable Membran und die Bauchhöhle als Behälter für das Dialysat ( Dialyselösung ) , welches über einen im Bauchraum implantiertes Katheter ausgetauscht wird. Man unterscheidet die kontinuierliche Peritonealdialyse, bei welcher die Patienten vier- bis fünfmal pro Tag manuell das Dialysat mit Beutel auswechseln, und die nächtliche intermittierende Peritonealdialyse. Bei Letzterer wird nächtlich ein automatischer Dialysataustausch vorgenommen. Die Patienten sind damit tagsüber mobiler und weniger beeinträchtigt. Allerdings ist die Methode zeitlich begrenzt : die Peritonealdialyse ist in den ersten 3 bis 4 Jahren am effektivsten, Danach lässt die Leistungsfähigkeit des Bauchfells nach und man muss zur Hämodialyse wechseln..

Die Vorteile der Methode:

  • zeitliche und räumliche Unabhängigkeit von einem Dialysezentrum
  • große Selbstständigkeit in der Behandlung
  • Shunt ist nicht notwendig

Die Nachteile:

  • Häufige Bauchfellentzündungen
  • Therapieform ist zeitlich begrenzt auf ca. 4 Jahre
  • Dauerkatheter im Bauchraum (kein Baden mehr möglich)
  • Probleme der Blutzuckereinstellung bei Diabetiker
  • Nur für Patienten mit dem Körpergewicht unter 70 kg geeignet

mehr Infos zur Peritonealdialyse

Hämofiltration

Venöses Blut wird über eine Membran geleitet, welche für Moleküle bis zu einer Molekülgröße von 35.000 Dalton durchlässig ist. Unter einem Dalton versteht man die Masseneinheit, die gleich der relativen Atommasse des Wasserstoffs in Gramm ist. Die Anzahl an Dalton eines Moleküls berechnet sich aus der Molekularmasse, also der Summe aller in dem Molekül vorhandenen Atome in Gramm. Ein Wassermolekül besitzt demnach rund 18 Dalton. Es wird bei dieser Methode eine dem Primärharn ähnliche Flüssigkeit über die Membran ausgeschieden.Diese ausgeschiedene Flüssigkeit enthält die harnpflichtigen Substanzen. Diese Flüssigkeit kann bei dem derzeitigen Stand der Technik noch nicht entsprechend der Funktion der Tubuli weiter verarbeitet werden und wird sozusagen als "Abwasser" abgeleitet.
Der Körper verliert daher neben den auszuscheidenden Substanzen auch die sonst von gesunden Nieren zurückresorbierten Bestandteile des Primärharns. Üblicherweise werden dreimal pro Woche je 14 bis 18 Liter ausgetauscht. Das bei dieser Methode verlorengegangene Wasser und die verlorengegangenen Elektrolyte müssen entsprechend teilweise ersetzt werden. Auch hier ist die Entscheidung, welche Methode angewendet wird, individuell zwischen Patient und Arzt zu klären.

Komplikationen

Bei der Dialyse und der Hämofiltration müssen dreimal wöchentlich Blutgefäße punktiert werden, um größere Blutmengen entnehmen und nach der Reinigung wieder in den Körper zurückleiten zu können. Ein häufiges Problem ist das Auftreten von Thrombosen, d. h. Blutgerinseln, welche das Gefäß verschließen und damit für die Dialyse unbrauchbar machen. Bei der Peritonealdialyse können Bauchfellentzündungen durch Eintreten von Keimen entlang des Katheters durch die Bauchwand in die Bauchhöhle auftreten. Bei unkontrollierter Kaliumaufnahme mit der Nahrung, z. B. bei Bananen, kann wegen der fehlenden Regulation des Kaliumblutspiegels durch die Niere eine lebensbedrohliche Erhöhung des Blutkaliumspiegels auftreten. Zur Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme und damit zur Vermeidung von Überwässerung und zu hohem Blutdruck müssen sich Patienten mit einer Niereninsuffizienz täglich wiegen. Gefürchtet sind bei Dialysepatienten Aluminiumablagerungen im Gehirn, welche zur Demenz (Verschlechterung der Hirnfunktion) führen können, sowie Aluminiumablagerungen in den Knochen. Patienten mit regelmäßiger Hämodialyse weisen ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Hepatitis B und C sowie HIV auf. Derartige Infektionen erfolgen durch Verunreinigungen der Dialysegeräte mit dem Blut anderer Patienten, was trotz größter Gewissenhaftigkeit nie völlig auszuschließen ist. Eine aktive Schutzimpfung gegen Hepatitis B wird daher angeraten. Durch den Einsatz persönlicher Dialysegeräte bei der Heimdialyse kann dieses Risiko reduziert werden.

Prognose

Die Zehnjahres-Überlebensrate der Patienten mit Heimdialyse beträgt zur Zeit 55%; das heißt, dass nach zehn Jahren von 1000 Dialysepatienten noch 550 am Leben sind.

Welches Verfahren ist das bessere?

Welches Dialyseverfahren das Beste ist muß von Fall zu Fall entschieden werden. Grundsätzlich kann mit beiden Verfahren eine effektive Dialyse durchgeführt werden. Die endgültige Entscheidung hängt nicht zuletzt auch von der persönlichen Einstellung des Patienten ab. Hierzu werden Vor- und Nachteile ausführlich während der Sprechstunden besprochen. Man kann nicht sagen das das eine Dialyseverfahren immer besser ist als das andere. Es gibt bei beiden Verfahren Vor- und Nachteile:

Hämodialyse
Vorteile Es gibt die meisten Erfahrungen
Im Zentrum erfolgt eine gute Überwachung
Nachteile Häufiger Shuntprobleme
Häufiger Kreislaufprobleme
Zeitlich genau festgelegt
Fahrtzeiten zum Dialysezentrum
Peritonealdialyse
Vorteile Mehr zeitliche Unabhängigkeit
Bessere Kreislaufverträglichkeit
Etwas freiere Diät
Nachteile Behandlung erfolgt jeden Tag
Bauchfellentzündungen
Katheter im Bauch
Zeitlich auf einige Jahre befristet

Dialyse und Urlaub

Da Dialysepatienten auf die Anwesenheit einer Dialysestation angewiesen sind, muss jeder längere Ortswechsel sorgfältig geplant werden. Das heißt aber nicht, dass sie ganz auf Urlaub oder Geschäftsreisen verzichten müssen. Wenn der Gesundheitszustand gut ist, kann ein Umgebungswechsel nie schaden und verschafft Abwechslung vom gewohnten Dialysealltag. An vielen Ferienorten besteht die Möglichkeit, an der Dialyse teilzunehmen. Es gibt Reiseveranstalter, die sich auf Urlaub für Dialysepatienten spezialisiert haben. Die Krankenkassen übernehmen normalerweise die Kosten für die Behandlung im Urlaubsort. Achten Sie darauf, sich rechtzeitig anzumelden. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt; eventuell müssen Sie Medikamente selbst mitnehmen. Die hygienischen Verhältnisse an Ihrem Zielort sollten sehr gut sein.